Warum scheitern die meisten Startups?

Fakt ist: Mindestens 75% aller Startups scheitern!

Shikhar Ghosh, Dozent an der Harvard Business School, legte in einer Untersuchung offen, dass 70% bis 95% der Startups scheitern - je nachdem wie man Scheitern definiert:

“If failure refers to failing to see the projected return on investment, then the failure rate is 70 to 80  percent. And if failure is defined as declaring a projection and then falling short of meeting it, then  the failure rate is a whopping 90 to 95 percent.” - Shikhar Ghosh 

Interessant ist, dass 90 bis 95% aller Entwürfe scheitern. Mit anderen Worten, Geschäftspläne taugen nichts.

Steve Blank meint dazu: “Kein Business Plan überlebt den ersten Kontakt mit Kunden."

PS: Du liest Teil 3 von 4 einer Serie über das Startup Genome Projekt - einer Initiative aus den Jahren 2010 bis 2012. Ich beziehe mich in diesem Abschnitt vorrangig auf den ersten Report und fasse die Erkenntnisse für dich zusammen. Ich empfehle dir trotzdem, eine kostenlose Kopie des Reports herunter zu laden und zu studieren.

  1. Teil: Der Startup Weg: Messbar & Wiederholbar

  2. Teil: Startup Finanzierung: Der verrückte Startup-Wahnsinn

  3. Teil: Startup-Fehler: Warum die meisten Startups scheitern!

  4. Teil: Startup-Erfolg: Was die wenigen Startups erfolgreich macht!

 

80/20 Fazit

Der Hauptgrund warum Startups scheitern

Ich werde oft gefragt, warum Startups scheitern und ob es darüber belegbare Studien oder Reports gibt.

Ja - die gibt es.

Durch die Reports weißt du genau, wie lange sich erfolgreiche Startup-Gründer mit dem Finden, Testen und Validieren ihrer Idee Zeit nehmen und ob du zu langsam oder zu schnell voranschreitest.

Zahlreiche Startups beginnen mit Entwürfe und unbeschreiblich hohen Umsatzzielen, die sie nie erreichen. Wir können die Zukunft bei extremer Unsicherheit einfach nicht vorhersagen. Und Startups operieren unter extremer Unsicherheit! Daher brauchen wir andere Metriken, um die Fortschritte bei Innovationen und Startups zu messen.

Basierend auf Daten von +3200 Startups haben Bjoern und Max herausgefunden, dass 74% der Startups aufgrund vorzeitiger Skalierung einer von 5 Startup-Dimensionen scheitern. 

Das Startup Genome Team erprobte Algorithmen des maschinellen Lernens, um das zu beurteilen und definierte folgende 5 Startup-Dimensionen:

  1. Kunden (primärer Indikator für Startup-Erfolg)

  2. Produkt

  3. Team

  4. Finanzen

  5. Geschäftsmodell

Es gibt einige Beispiele vorzeitiger Skalierung der einzelnen Startup-Dimensionen. Hier liste ich ein paar Beispiele: 

Kunden

  • Zu viel für die Kundengewinnung vor dem Produkt/Markt-Fit (ersten 2 Stufen) ausgeben

  • Überkompensation fehlender Produkt/Markt-Fit durch PR und Marketing

Produkt

  • Ein Produkt ohne Problem/Lösung-Fit bauen

  • In den ersten zwei Phasen voreilig, unnötig in Produkt-Skalierung investieren

  • Hinzufügen von “nice to have” Produktmerkmalen in den ersten zwei Phasen

Team

  • Zu viele Teammitglieder in den ersten drei Phasen einstellen

  • Zu früh Spezialisten einstellen

  • Zu früh Manager einstellen, wo Macher gebraucht werden

  • Mehr als ein Hierarchie-Level haben

Finanzen

  • Zu wenig Geld einsammeln

  • Zu viel Geld einsammeln (Normalerweise nicht schlecht, macht aber dennoch viele Startup-Gründer unfokussiert, träge und faul. Obwohl sie nichts erreicht haben, spüren sie das Gefühl von Erfolg und Sicherheit.)

Geschäftsmodell

  • Zu früh auf Profitmaximierung konzentrieren

  • Zu viel planen und umsetzen ohne externes Feedback

  • Fehlende Adoption/Änderung des Geschäftsmodell (pivot) auf Basis von Kundenfeedback oder Technologie- oder Marktveränderungen

 

Warum Startup-Gründer in die “vorzeitige Skalierungs-Falle” treten?

Aufgrund des Startup-Gründer-Paradoxons ...

Es ist leicht zu verstehen, auch wenn es komisch klingt. 

Als Startup-Gründer glaubst du extrem fest an deine Idee und dein Konzept zur Umsetzung. Dieser Glaube führt aber zur Blindheit. Du erkennst die wahre Realität nicht, sondern denkst, dass deine Überlegungen über deine Kunden und deren Probleme richtig sind.

Du brauchst diesen Glauben auch - ansonsten würdest du ja nie starten.

Das Problem ist jedoch, dass du fast immer nur vage Überlegungen darüber, was der Kunden möchte, anstellen kannst.

Die Lösung des Paradoxons: Als Startup-Gründer musst du mit Hilfe der Konzepte von Lean Startup oder Customer Development deine Vermutungen schnell und iterativ am Markt - sprich: durch wahren Kundenfeedback - testen.

Zu viele Startup-Gründer werden jedoch Opfer ihrer eigenen Gedanken, weil sie sich vor Kundenfeedback scheuen oder zu selbstbewusst sind und denken, alles zu wissen.

Das betrifft übrigens nicht nur Startup-Gründer, sondern auch Startup-Teammitglieder oder Startup-Mentoren. Sie geben oftmals nur Feedback, auf Basis ihrer eigenen Erfahrungen, Wünsche und Bedürfnisse. Solange aber ein Startup-Mentor nicht Teil der Zielgruppe des Produktes ist und sich nicht in die Lage der Zielgruppe hineinversetzen kann, sollte er sein “schlaues” Feedback für sich behalten. Es ist dann einfach nicht wertvoll und verwirrt den Startup-Gründer nur. Dessen Job ist schon schwer genug, daher liebe Mentoren: Lasst euer Ego zu Hause und gebt lieber mal zu, die Antwort nicht zu wissen, und helft, Antworten zu finden.

Genug echauffiert.

Lass uns klären, warum wir eine bessere Erwartungshaltung gegenüber dem Scheitern entwickeln sollten.

 

Eine neue Erwartungshaltung ist erforderlich

Startup-Gründer im Silicon Valley würden eher ein Startup schließen, welches nicht wächst, als an diesem hoffnungslos weiterarbeiten. Unter ihnen wird Scheitern als etwas Ehrenvolles betrachtet und entsprechend gewürdigt.

“Klasse, dass du es probiert hast. Was versuchst du als Nächstes?” ist eine Aussage, die ich oft höre.

Startup-Experten sehen jedoch die Tendenz, dass sich Startup-Gründer in vielen anderen Startup-Hubs nicht von ihren “Babies” trennen können, welche einfach nicht wachsen und abheben wollen.

Startup-Experten sagen nicht, dass Startup-Gründer schnell aufgeben sollten. Um erfolgreich zu werden, müssen Startup-Gründer Ausdauer, Persistenz und Willenskraft zeigen.

Aber ab einem gewissen Punkt liegt es auf der Hand, nicht mehr an der Idee festzuhalten und an dieser zu arbeiten. Es ist besser, die Lernerfahrungen aus dem ersten Versuch zu nutzen und sie in’s neue Unterfangen einzubauen.

Das ist das Leben eines Startup-Gründers. Mit jedem Versuch verinnerlicht er die wiederkehrenden Muster, wird emotional stabiler, leitet sein Team besser und setzt seine Vision effektiver um.

Lass uns daher neu definieren, was Startup-Erfolg ist. Lass uns unsere Erwartungen neu definieren.

DENN auch der beste Stürmer im Fußball trifft nicht jedes Spiel. Er macht weniger als ein Tor pro Spiel im Durchschnitt. Für Trainer und Fans ist der Schwellenwert "Erfolg" nicht ein Tor pro Spiel. 

Warum sollten wir also davon ausgehen, dass Startup-Gründer mit ihrem ersten oder jedem Startup erfolgreich werden?

 

Wie sollte stattdessen Erfolg für Startup-Gründer definiert werden?

Es ist schwer zu sagen, wie Erfolg stattdessen für Startup-Gründer definiert werden sollte

Startup-Experten, wie Tim Ferriss — Investor in Facebook, Twitter, Uber und Evernote —  glauben stark ans Lernen, Systeme und Gewohnheiten.

 

Lerne täglich

Unternehmerisches Lernen - die Fähigkeit (1) von Best Practices zu lernen, (2) auf Kunden-Feedback zu hören und (3) auf dieses Feedback zu reagieren - führt zum Erfolg. Startup-Gründer sind erfolgreicher, wenn sie darauf abzielen, diese Fähigkeiten zu meistern.

Als Startup-Gründer frage dich, ob und wieviel du lernst? Über dich, über Andere, Märkte, Geschäftsmodelle, die Führung deines Teams, die Verwaltung von Projekten? 

Es gibt viele Fähigkeiten, die du als Startup-Gründer erwerben musst. Frage dich daher:
Lernst du und verbesserst dich täglich?
Hast du richtige Gewohnheiten, die deinen Fokus und deine Produktivität und die des Teams steigern?
Hältst du deinen Fokus täglich, wöchentlich und monatlich aufrecht?

 

Entwickle Systeme und richtige Gewohnheiten

Tim Ferriss und andere Startup-Experten glauben fest an Systeme und richtige Gewohnheiten, weil diese dich erfolgreich machen.

Sofern Startup-Gründer das Erwerben von Soft Skills als Grundlage eines erfolgreichen Lebens betrachten, sind sie auf der Überholspur. 

Als Startup-Gründer, strenge dich bewusst an, deine Soft Skills auszubauen, welche nicht notwendigerweise zu finanziellen Erfolg führen, aber zu Erfolg in Bezug auf Emotionen, Liebe, Beziehungen, Gesundheit, Freiheit und Selbst-Verwirklichung. Ist das nicht ein lohnenswertes Leben?

Die entscheidende Frage, die du dir als Startup-Gründer nach’m Aufhören stellen solltest, ist:

“Hast du genug Energie, um ein neues Unterfangen zu starten?”

Im nächsten Beitrag widmen wir uns dem Thema Startup-Erfolg und klären die Frage, welche Erfolgsprinzipien du als Startup-Gründer verfolgen solltest.

 

—Über den Autor: Danny möchte Studenten & Absolventen durch Startup Geist helfen, ihre unternehmerischen Träume zu entdecken und diese fokussiert, produktiv und achtsam zu realisieren. Entdecke auch du deinen StartupGeist und hole dir eines von Danny's 5 eBooks.

 

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